Lektion 1:Beispiel aus der Makroökonomie

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Mikroökonomik beschäftigt sich mit den (ökonomischen) Entscheidungen eines Individuums (Konsument, Produzent etc.). Makroökonomik befasst sich mit den Zusammenhängen innerhalb ganzer Volkswirtschaften bzw. den Wechselwirkungen zwischen mehreren Volkwirtschaften. Im Verlauf der Entwicklung der Volkswirtschaftslehre verschwamm diese historische Trennung mehr und mehr. Heute ist insbesondere eine Anforderung an eine makroökonomische Theorie, dass sie auf individuellen Optimierungsentscheidungen aufbaut (mikroökonomische Fundierung).

Spieltheorie ist dem Bereich der Mikroökonomik zuzuordnen: Man untersucht, wie einzelne Individuen in bestimmten Situationen entscheiden und/oder entscheiden sollten. Die individuellen Entscheidungen können aggregiert werden und lassen sich so auch auf den Bereich der Makroökonomik übertragen (z.B. kann man die individuelle Ausbildungsentscheidung im Rahmen eines Signaling-Spiels beschreiben; im gesamtwirtschaftlichen Aggregat beeinflussen diese Entscheidungen den Ausbildungsstand der Gesellschaft insgesamt und bestimmen somit wesentlich technischen Fortschritt und Wirtschaftswachstum).

Ein weiteres Beispiel:

Die Wertschöpfung eines Staates, also sein Bruttoinlandsprodukt, kann man in etwa als ein Maß für den Wohlstand in einer Gesellschaft verwenden: D.h. je höher, desto besser! Befindet sich ein Staat in der Rezession, fällt also das BIP, so kann ein Staat dem entgegenwirken indem er die sog. gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigert und damit die Produktion ankurbelt. Zu der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zählt privater Konsum genauso wie die Staatsausgaben (z.B. Verbrauch an Büromaterial oder Straßenbau). Um sie anzuregen hat der Staat also zwei Möglichkeiten: 1. Die Steuern zu senken ( dadurch wird u.a. das verfügbare Einkommen der Konsumenten steigen und somit der auch ihre Ausgaben, also der Konsum) 2. Die Staatsausgaben zu erhöhen ( z.B. der Angela Merkel ein neues Auto zur Verfügung stellen)

Beides würde kurzfristig die Produktion steigern und dem Staat somit aus der Rezession helfen.

In einer offenen Volkswirtschaft ( = Volkswirtschaft mit Beziehungen nach außen, also zu anderen Staaten), und in den Zeiten der Globalisierung ist jede Volkswirtschaft offen, darf jedoch ein weiterer Aspekt nicht vernachlässigt werden:

Die Nachfrage in einer offenen Volkswirtschaft bildet sich sowohl aus der Nachfrage nach inländischen als auch aus der nach ausländischen Gütern zusammen. Steigt also die Nachfrage in einem Staat, so steigt zwar die inländische Produktion, aber: Ein Teil der Nachfrage, also ein Teil der Mittel eines Staates, fließt ins Ausland ab. Für kleine Volkswirtschaften, die viele Produkte gar nicht selbst herstellen, sondern grundsätzlich aus dem Ausland beziehen, kann dieser Anteil bis zu 80 % betragen!

Volkswirtschaftlich korrekt (ohne Gewähr aber) heißt es: Expansive Fiskalpolitik ( = Regulierung der wirtschaftlichen Aktivität durch eine Erhöhung des Budgetdefizits, also der Differenz zw. Steuereinnahmen und Staatsausgaben) ist in einer offenen Volkwirtschaft weniger effektiv als in einer geschlossenen Volkswirtschaft: Sie führt zwar auch zu einer Steigerung des Produktionsniveaus, allerdings in einem geringerem Ausmaß. Zusätzlich führt sie aber zu einer Verschlechterung der Handelsbilanz ( die Differenz zw. Exporten und Importen).

Nun also endlich zu Spieltheorie: Betrachten wir ein geschlossenes Modell aus zwei Staaten A und B, die in wirtschaftlichen Beziehungen zu einander stehen. Beide befinden sich einer Phase der Rezession. Beide haben nun jeweils die gleichen Handlungsalternativen zur Auswahl: "Staatsausgaben erhöhen" oder "Staatsausgaben nicht erhöhen" (Steuern senken oder nicht wäre völlig anlog).

1. Handeln beide Staaten nicht, so bleiben beide Volkswirtschaften länger in der Rezession, als wenn sie handeln würden. (Fall "beide gestehen") 2. Erhöht nur der Staat A seine Staatsausgaben während B es nicht tut, so kurbelt er zwar seine eigene Produktion an, aber ungünstigerweise auch die im Ausland, was ihm einen Teil seiner Mittel kostet. Für Staat B wäre das allerdings die allergünstigste Variante: Seine Produktion steigt ohne dass etwas unternommen werden musste. (Fall "B gesteht, A gesteht nicht") 3. Erhöhen beide Staaten ihre Ausgaben, so würde das BIP in beiden Staaten in vollem Ausmaß steigen, denn die Verluste durch den "Nachfrageabfluss" würden sich jeweils in etwa ausgleichen. (Fall "beide gestehen nicht")

Vergleicht man dieses Beispiel mit dem Gefangenendilemma so sieht man, dass das Lösungskonzept analog anwendbar ist: Die dominante Strategie, also das einzige Nash-Gleichgewicht, ist für beide Staaten "die Staatsausgaben nicht erhöhen". Der Grund dafür, dass auch hier die eigentlich am wenigsten effiziente Strategie gewählt wird, ist derselbe wie im Gefangenendilemma: Das Spiel ist nicht-kooperativ. Denn auch wenn die Regierungen sich absprechen würden sich an die Alternative "Staatsausgaben erhöhen" zu halten, so gäbe es trotzdem keine Macht, die sie zwingen könnte sich an diese Absprache zu halten.

Dieses Beispiel ist übrigens alles andere als unrealistisch: Bei den G8-Gipfeln wird diese Art von Rezessionsbekämpfung erst gar nicht angesprochen, denn es ist klar, dass sich kein Staat daran halten wird.

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